Erinnerungen an den Mauerfall vor 24 Jahren

Ronald Reagan: "Mr. Gorbachev, tear down this wall!" Brandenburg Gate

Ronald Reagan: “Mr. Gorbachev, tear down this wall!” Brandenburg Gate, Berlin, 12 June 1987

When I was born there were 2 Germanys, East- and West – as a long-term consequence of World War II – I come from the latter. For many years when travelling from Hamburg to Berlin by car, we would drive via the Lauenburg border, a little town by the Elbe river and only about half an hour away.

Als ich geboren wurde, gab es zwei Deutschlands, Ost und West – eine Spätfolge des zweiten Weltkriegs – ich stamme aus dem westlichen Teil. Wenn wir mit dem Auto nach Berlin fuhren, dann nahmen wir meist den Grenzübergang in Lauenburg, einer kleinen Stadt an der Elbe, die rund eine halbe Stunde entfernt lag. 

West- and East-Germany, West- und Ost-Deutschland, (c) Wikipedia

West- and East-Germany, West- und Ost-Deutschland, (c) Wikipedia

There we would cross the border. That meant: standing in a long queue and waiting for our turn to drive up to the customs people. There you’d turn off the engine and wait for the papers to be inspected, while other customs officers held mirrors under the car to check for stowaways. Fortunately I never had the car searched (that could have taken a couple of hours).

Dort überquerten wir dann die Grenze. Das setzte allerdings endloses Warten  voraus, bis man sich den Grenzern nähern durfte. Der Motor musste abgestellt werden und während die Papiere kontrolliert wurden, schlichen zwei Grenzsoldaten mit Spiegeln herum, die das Auto von unten nach “blinden Passagieren” absuchten. Zum Glück wurde mein Fahrzeug niemals gefilzt, das hätte Stunden dauern können.

Klaus Wowereit, Berlins Bürgermeister heute / Berlin's Mayor today

Klaus Wowereit, Berlins Bürgermeister heute / Berlin’s Mayor today

The soldiers at the border were absolutely humorless and at times quite rude, so it came as a huge surprise when one day the guy in the booth asked me if I were married? What? What did he ask me? I denied and he asked me why not? I told him I didn’t feel it was time yet (I was in my early twenties) and he replied, that I was getting old and my face would start drooping very soon, so it was about time… This whole situation was so surreal that I had to laugh for a couple of miles on the East German Autobahn

Die Grenzsoldaten waren absolut humorlos, zum Teil sogar äußerst unhöflich. Deshalb war ich umso erstaunter, als mich mal ein junger DDR-Grenzer fragte, ob ich verheiratet sei. Wie bitte? Was hatte er mich gefragt? Ich verneinte und er fragte warum nicht? Ich erwiderte, dass ich mich dazu noch zu jung fühlte (ich war damals Anfang zwanzig) und er meinte, dass ich schon sehr bald altern würde, mit hängendem Gesicht usw. und es auch für mich Zeit würde… Das ganze war so surreal, dass ich für ein paar Kilometer auf der DDR-Autobahn lauthals lachen musste.

Here I need to mention for those who don’t know that in East-Germany it was common to marry at a very young age, because only when you were married you could apply for your own apartment – before that you lived with your parents or in-laws..

Für die, die es nicht wissen sollten: In der DDR war es üblich sehr jung zu heiraten, weil erst nach der Hochzeit ein einen Antrag auf eine eigene Wohnung gestellt werden konnte. Bis dahin musste man bei den (Schwieger-) Eltern leben.

Ankunft / arrival in Lauenburg, (c) Bergedorfer Zeitung

Ankunft / arrival in Lauenburg, (c) Bergedorfer Zeitung

I guess we all know where we were, when i.e. Elvis or Diana died, on 9/11 or – when the German Wall fell – I just came out of the shower when the guy on the radio said that the borders were opened. All day long I couldn’t believe what I had heard and drove to my parents the same evening, where we watched the news on TV and were absolutely speechless. My mom then suggested that we drive to the Lauenburg border to see what was happening there. No sooner said than done. We packed two big boxes of little Fürst Metternich Piccolo sparkling wine bottles in our station wagon and off we drove….

Ich bin mir sicher, dass Sie noch wissen, wo Sie waren als Elvis oder Diana starben, oder am 11. September oder als die Mauer fiel. Ich kam aus der Dusche und hörte in den Nachrichten, dass die Grenzen offen seien. Den ganzen Tag über konnte ich nicht glauben, was meine Ohren gehört hatten und fuhr nach der Arbeit zu meinen Eltern, wo wir das Unfassbare in den Nachrichten schauten. Meine Mutter schlug vor nach Lauenburg zu fahren, um mit eigenen Augen zu sehen, was sich dort abspielte. Gesagt, getan. Vorher luden wir noch zwei Kisten Fürst Metternich Piccolos in unseren Kombi und auf ging’s.

Upon arrival at the Lauenburg border we couldn’t believe our eyes – masses of people standing and waiting for arrival of friends and relatives from East-Germany. Touching scenes – lots of hugs and kisses and tears of happiness were everywhere. Every car that crossed the border was cheered and when we got close enough, my mom and I welcomed our East-German fellow-citizens and passed a tiny bottle of of sprakling bubbly into their car.

Bei der Ankunft an der Grenze trauten wir unseren Augen kaum – dort standen massig Menschen und warteten auf Freunde und Angehörige aus der DDR. Ergreifende Szenen spielten sich ab – Umarmungen, Küsse und überall flossen Tränen des Glücks. Jedes Auto, das den Grenzübergang überquerte, wurde frenetisch umjubelt und wenn meine Mutter und ich an eines heran kamen, reichten wir unseren Ostdeutschen Mitbürgern zur Begrüßung einen Piccolo in’s Fahrzeug.

cars arriving in West-Germany, (c) Bergedorfer Zeitung

cars arriving in West-Germany, (c) Bergedorfer Zeitung

Although 24 years have passed and much has happened since, I can still feel the November cold of 1989 and the scenes I witnessed are as vivid and colorful in my mind as if happened yesterday.

Seither sind 24 Jahre vergangen und viel ist passiert, aber ich kann noch immer die November Kälte von 1989 spüren und die Szenen, den ich damals beiwohnte, sind nach wie vor so präsent, als sei es erst gestern geschehen.

🙂      Peace and Happiness to all of us!       🙂

      🙂      Frieden und Glück uns allen!       🙂

xxx

NaBloPoMo November 2013

13 Comments
  • C. Amis
    November 10, 2013

    What a wonderful and beautiful post. Happy news Happyface. Smile

  • Sanne
    November 10, 2013

    Oh ja, natürlich weiß man, wo man damals war. In Italien und als ich es im Radio gehört habe dachte ich, es liegt an meinen mangelhaften Sprachkenntnissen. Erst als die ersten Bilder im TV kamen, konnte ich es glauben.
    Schönen Sonntag Dir und alles Liebe – S

    • happyface313
      November 10, 2013

      Dankeschön!
      Dir auch einen wunderschönen Sonntag 🙂
      Herzliche Grüße xo 🙂

  • frizztext
    November 10, 2013

    Das hast du alles sehr anrührend aufgeschrieben! Meine Mutter lebte in der DDR.

    • happyface313
      November 11, 2013

      Dann bist Du ja mit dem Prozedere an den Grenzstellen bestens vertraut. Wahrscheinlich waren sie bei Verwandtenbesuch noch viel strenger als bei Touris auf der Durchfahrt nach Berlin, oder?

      • frizztext
        November 11, 2013

        hatte die Stasi immer auf den Fersen…

      • happyface313
        November 11, 2013

        Ach, Du Scheibenkleister, das muss ja fürchterlich gewesen sein! Wieso war Deine Mutter im Osten und Du im Westen? Oder ist das zu privat? LG 🙂

      • frizztext
        November 12, 2013

        Ich wurde 1945 auf der Flucht meiner Mutter von Prag nach Rügen auf der Mitte des Weges in Wuppertal geboren und dort sofort in ein Heim gesteckt. Es hat mich 40 Jahre detektivischer Suche gekostet, sie ausfindig zu machen. Und dann konnte ich darüber nachdenken, wie anders mein Leben verlaufen wäre in der Osthälfte Deutschlands…

      • happyface313
        November 13, 2013

        Was für eine Gänsehaut-Geschichte! Ich weiss gar nicht, was ich sagen soll. Meine Fantasie geht gerade mit mir durch. Wie hast Du Deine Mutter letztendlich gefunden? Wie war das Wiedersehen? Hast Du Deine Geschichte mal zu Papier gebracht?
        Ich hoffe, ich bin nicht zu neugierig.
        Liebe Grüße 🙂

      • frizztext
        November 13, 2013

        In meinem Blog finden sich (auf Englisch) immer wieder Anmerkungen zu meiner Biographie, so zum Beispiel neulich auf
        http://flickrcomments.wordpress.com/2011/01/13/suicide/
        +
        http://flickrcomments.wordpress.com/2013/11/10/prora/
        my mother Edith, living in the near of Prora, in Bergen on the island Rugen, made suicide with a rope – why not to focus on that: she gave me into an orphanage immediately after birth (als “unwertes Leben” = kind of Euthanasia concept vs. me) – I found her after 40 years of searching and made a confrontation, asking: WHY? She was a person indoctrinated by ideologies. She made suicide after the “Iron Curtain”, the Berlin Wall fell down: she was sure, that communism was a good ideology – and now it seemed, she made some wrong decisions in her life…

  • patriciamoed
    November 15, 2013

    What a wonderful and uplifting story! Thanks for sharing it.

    • happyface313
      November 15, 2013

      Thank you very much for stopping by and reading.
      I am happy you enjoyed this little trip into the past.
      Have a very HAPPY weekend 🙂

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *


%d bloggers like this: