Zwischen Ozelot und Friesennerz – eine Kindheit auf Sylt

unbezahlte Werbung für Ozelot und Friesennerz

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Kurz nach meinem letzten Post über einen Glücksroman (hier) und meiner Sehnsucht nacht Sylt, trudelte ein Päckchen bei mir ein. Meine Freundin Sandra hatte mir eine Ration Niederegger Marzipan (Hurra!) und ein Buch geschickt: Ozelot und Friesennerz (hier), ein Roman über eine Kindheit auf Sylt in den 60er und wilden 70er Jahren. 

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Danke, liebe Sandra! Das Marzipan hat sogar HappyFace s auf der Verpackung! 🙂

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SUSANNE MATTHIESSEN

Die Autorin des Buches Ozelot und Friesennerz, Susanne Matthiessen (hier), hatte ich im vergangenen Jahr in der NDR- Talkshow gesehen, als sie ihr Buch präsentierte. Damals musste ich schon lachen, als sie einige Anekdoten aus dem Pelzgeschäft ihrer Eltern zum Besten gab. Das Buch wanderte sofort auf meine gedankliche „muss ich haben-Liste“ und bleib dort. Warum ich es mir nie gekauft habe, weiss ich ehrlich gesagt nicht. Vermutlich, weil hier in Wien – unverständlicherweise! – keine Reklame für Sylt Bücher gemacht wird. Man liebt es hier eher morbid.  

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gute Mischung: Ozelot und Friesennerz mit Niederegger Marzipan

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MARZIPAN, TEE UND EIN BUCH

Ich sah also zu, dass ich mich durch die Seiten meines vorherigen Romans las, um mich dem neuen Buch widmen zu können. Pünktlich zu Ostern schnappte ich mir „Ozelot und Friesennerz“ und machte es mir mit heissem Tee allerdings ohne Kluntjes (* Kandis-Zuckerstücke) und dem Marzipan auf dem Sessel gemütlich und tauchte in das Sylt von damals ein. 

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meine Mutter und mein Bruder – ca. 1968 auf Sylt

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URLAUB IN DEN SIEBZIGER JAHREN

Susanne Matthiessen ist nur ein Jahr jünger als ich und beschreibt auch das Sylt meiner Kindheit. Man verbrachte nicht nur ein Wochenende auf Sylt, sondern reiste in der Regel für 4 Wochen an. Wir auch. Während mein Vater an den Wochenenden zwischen Hamburg und Sylt pendelte, kamen wir bei Herrn und Frau Sauerbeck in einer Pension in Kampen unter. Ich erinnere, dass meine Oma und meine Tante morgens Brötchen schmierten und ordentlich Proviant einpackten, bevor wir im Treck zum Strand marschierten. Ob wir vor oder hinter den Erwachsenen gingen, hing von der Tageszeit ab. Vormittags wollten wir so schnell wie möglich an’s Wasser und die Erwachsenen riefen „nicht so schnell!“, abends trotteten wir ihnen müde hinterher.

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typisch Sylt: oben Rolkragen, unten nix. Mama und Bruder ca. 1968 am Strand von Kampen

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SCHLAFANZUG UND BADEZEUG

Unter der Woche wechselten wir eigentlich nur von den Schlaf- in die Strandklamotten. Nur wenn mein Vater am Wochenende anreiste, gingen wir in Restaurants und aßen Fisch bei Fisch-Fiete, Nusstorte im Gogärtchen oder Blechkuchen in der Kupferkanne. Ohne ihn waren ja nicht mobil, denn weder meine Oma noch meine Tante besaßen einen Führerschein.

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Fisch-Fiete, ein ehemaliges Traditions-Restaurant – nun leider geschlossen

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DIE KINDER-BOUTIQUE

In Westerland kleidete man sich damals ein. Ich kann mich zwar nicht an das Pelzgeschäft Matthiessen erinnern, dafür aber an eine Kinder-Boutique, in der wir immer zum Ende der Ferien für Herbst und Winter eingekleidet wurden. Der Laden war gefühlte zwei Meter breit und 10 Meter lang (vielleicht auch länger). Die Inhaberin war eine resolute Frau, die meinem Vater jedes Jahr erneut erklärte, was gerade modisch up-to-date war. Und so trabte ich schon mit 10 Jahren im auberginefarbenen Midi-Knautschlackmantel und passendem, verwegenen Wollkäppi in die Schule. Ich wette, dass kein Sylter Kind so in die Schule geschickt wurde!

Von den Parties auf Sylt, die in Susanne Matthiessens Buch Erwähnung finden, bekamen wir wenig mit. Erst als quasi „nebenan“ das „Village“ eröffnet wurde, drang regelmäßig Partylärm bis zu uns durch.

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Ozelot und Friesennerz – aus dem Inhalt

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OZELOT UND FRIESENNERZ – KLAPPENTEXT

Sonne, Freiheit, Champagner: in den Siebzigerjahren lassen Stars, Politiker und Industriegrößen des Wirtschaftswunderlands, aber auch viele andere Inselurlauber, den Alltag am Strand hinter sich – und findige Sylter Unternehmer legen den Grundstein zu sagenhaftem Reichtum. Für Susanne Matthiessen ist das Sylt ihrer Kindheit ein faszinierender, aber auch gefährlicher Abenteuerspielplatz, bevölkert von außergewöhnlichen Menschen, in vielem typisch für diese Zeit. Von all diesen Begegnungen, aber auch dem schmerzhaften Verlust der Heimat erzählt die Autorin mit großer Leichtigkeit, scharfem Blick und Humor

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1970 Pony-Reiten für 2 Mark unterm Leuchtturm – Langer Christian

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WIE ENTKORKT MAN EINE SEKTFLASCHE?

Von Arndt von Bohlen (hier) lernte sie schon früh, wie man eine Sektflasche entkorkt. Denn das dufte sie schon in jungen Jahren hin und wieder tun, wenn die Eltern mit Kunden in intensiven Verkaufsverhandlungen steckten und keine Zeit für die Bewirtung hatten. Die Geschichten, die Susanne Matthiesen zum Besten gibt, sind durchwegs heiter – wie die von dem bekannten Herrn, der bei ihren Eltern einen Ozelot-Bikini für seine Mätresse in Auftrag gab oder die Sache mit dem Kronenzobel-Rucksack, der als Geschenk für eine bekannte Österreicherin geordert wurde.

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#syltliebe – Fahrt über die Insel

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WARUM TRÄGT MAN ALTE PELZE NICHT MEHR?

Das Titelbild des Buches ist erwähnenswert, denn ohne genauer hinzuschauen könnte das auch meine Familie sein, oder die Familien meiner Freundinnen. So sah „man“ damals aus und viele trugen Pelz. Pelz wärmt halt gut. Und auf die Gefahr hin, mich jetzt zum Buhmann der Nation zu machen, frage ich mich – wie Susanne Matthiessen auch – warum werden die alten Pelze nicht aufgetragen? Ja, die Tiere haben gelitten. Deshalb ist es mir noch unverständlicher, dass alte Pelze irgendwo in den Schränken verstauben und nicht getragen werden! 

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Reetdach Häuser auf Sylt in weiten Abständen

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MUSS DAS SO WEITEREHEN?

In Ozelot und Friesennerz weist Susanne Matthiesen aber auch ganz klar auf Sylts Missstände hin. Dass tausende von  Menschen, die Sylt am Leben erhalten sich das Wohnen auf der Insel gar nicht leisten können,  dafür täglich zwischen Festland und Insel mit dem Zug pendeln müssen, geht gar nicht. Gebaut wird weiterhin, was die Insel an Platz hergibt. Geld scheint keine Rolle zu spielen. Freie Baulücken gibt es kaum noch. Wo früher in großen Abständen mit Reet gedeckte Häuser standen, stehen heute dicht an dicht Häuser mit Schindeldächern. Dem Nachbarn kann man also wieder sprichwörtlich in die Suppe spucken. Die echten Sylter sterben aus, denn Sylt hat schon ganz lange keine Geburtenstation auf der Insel mehr, weil viel zu wenig Menschen ständig auf der Insel leben. Viele Häuser stehen 350 Tage im Jahr leer, weil Menschen dort zwar ein schickes Ferien-Domizil haben, aber dort nicht dauernd wohnen wollen… 

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#syltliebe – Sylt ist immer schön – sommers wie winters

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MEIN SYLT

Zuletzt war ich mit meiner Tochter im Dezember 2019 auf Sylt. Auch nur für ein paar Stunden. Aber die waren unbezahlbar schön. Wenn ich auch jetzt noch nicht weiß, wann ich wieder auf die Insel reisen kann, so weiß ich doch, dass Sylt – trotz aller Probleme, die die Insel hat – immer MEIN SYLT bleiben wird – nicht zuletzt wegen der vielen schönen Erinnerungen, die ich mit ihr verbinde!

Waren Sie schon einmal auf Sylt? Haben Sie Ozelot und Friesennerz schon gelesen? Wie gefällt Ihnen die Insel?

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🙂     Ich wünsche Ihnen einen wunderSCHÖNEN Tag und bleiben Sie gesund!       🙂

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12 Comments
  • janet
    April 18, 2021

    I love the photos of your mother and brother, Claudia, and that last one of you. Happy Sunday, my friend.

    janet

    • happyface313
      April 18, 2021

      🙂 Thank you, dear Janet!
      I trust that I could have added pictures of me in those days, too, but… I have a couple of huge boxes with slides that I should tackle one of these days. But somehow I can’t find the energy to do so.
      Stay safe and have a very happy Sunday, too!
      Many hugs xo 🙂

  • Sabine Gimm
    April 18, 2021

    Wenn ich mich recht erinnere, hatte Ines auch bereits von diesem Buch berichtet. Es gab außerdem seinerzeit eine Talkshow beim NDR, in der das Buch von der Autorin vorgestellt wurde. Als Sylt-Fan ist das natürlich ein Muss.

    Ich war als Nordlicht tatsächlich noch nie auf Sylt, aber auf der Nachbarinsel Amrum. Natur pur. Einfach schön.

    Liebe Grüße Sabine

    • happyface313
      April 19, 2021

      🙂 Liebe Sabine,
      es ist eine gefühlte Ewigkeit her, seit ich auf Amrum war. Da möchte ich unbedingt wieder einmal hin. Irgendwann…
      Liebe Grüße zurück 🙂

  • Sunny
    April 19, 2021

    Ich wohne südlich von München. Am südlichsten Zipfel des Landkreises. Wir sind hier zwar nicht auf Sylt, aber auf ähnlich teurem Boden (laut Immowelt ist der Quadratmeter hier grade mal 30€ billiger als auf Sylt (Info 2017), ein Schnäppchen). Und Meer haben wir auch keines. Dafür eben Berge und Seen.
    Wer nicht schon immer hier wohnt, braucht ne ganze Menge Knete um sich hier Wohnraum leisten zu können.
    Die Gesetze der Marktwirtschaft sind schon wirklich eigentümlich.
    Mein Onkel hatte – als er noch berufstätig war – eine Wohnung auf Sylt. Dort verbrachte er jede mögliche, freie Minute. Zwischenzeitlich ist er von Celle nach Upgant-Schott umgezogen. Und hat die Butze auf Sylt verkauft.
    Schade für mich. Ich hatte seit Jahren geplant die Wohnung auf Sylt mal zu nutzen. Satz mit X, war wol nix.
    BG Sunny

    • happyface313
      April 19, 2021

      🙂 Liebe Sunny,
      ja, manchmal darf man einfach nicht warten.
      Freunde von uns hatten vor Jahren ein Hotel in Asien geführt. Wir wollten immer mal hin. Beim Wunsch ist es geblieben…
      Zum Glück gibt es auf Sylt nicht nur super teure Hotels, sondern auch leistbare Pensionen – wenn sie nicht nach Corona alle die Preise um 100% erhöhen 😉
      Liebe Grüße 🙂

  • Tina von Tinaspinkfriday
    April 19, 2021

    Liebe Claudia, ich kenne weder das Buch noch Sylt. Ich glaube für Dich ist Beides etwas Besonderes. Ich genieße halt gern die Fotos von Sylt. Als Kind wollte ich gern mal in den Zug nach Westerland einsteigen, ich dachte da leben die Cowboys .
    Ich wünsche Dir einen schönen Tag, liebe Grüße Tina

    • happyface313
      April 19, 2021

      😀 Das ist ja lieb! In Westerland leben die Cowboys…
      Auf den Gedanken bin ich noch nie gekommen. Ist aber gar nicht so abwegig.
      Dir eine schöne Woche und liebe Grüße 🙂

  • Ines
    April 19, 2021

    Das Buch habe ich verschlungen. Mir ging es wie Dir: Es war eine Gedankenreise durch das Sylt meiner Kindheit. Ich war mit meinen Eltern im 5-Städte-Heim in Hörnum. Mein Vater war Mitglied im Schwimmverein, der die Bademeister von Ostern bis zum Ende der Herbstferien zur Aufsicht der Kinder in der Nordsee gestellt hat. Es waren immer vier Familien zeitgleich oben und wohnten jeweils in einem Familienzimmer im Anbau – das war wie in einer Jugendherberge mit Doppelstockbetten und Klo und Dusche für alle zusammen auf dem Gang. Aber die Badeaufsicht war nur zwei Stunden am Tag, so dass wie viel Zeit zusammen hatten und war schön mit den anderen Kindern zusammen dort zu sein.

    Die Autorin hat mich bestens unterhalten und ich habe mehr als einmal laut gelacht beim Lesen. Die Nummer mit den Schlaftabletten für die Kindern kann ich mir in der damaligen Zeit gut vorstellen …

    • happyface313
      April 19, 2021

      🙂 Liebe Ines,
      das mit den Schlaftabletten für die Kinder hat mich echt schockiert. Aber vorstellen kann ich mir wohl, dass man sich damals so half. Wenn Du Dir die Situation in heutigen Zeiten vorstellst – au weia!
      Das Buch wird jetzt übrigens von Doris Dörrie verfilmt. Darauf bin ich schon seeehr gespannt!
      Liebe Grüße 🙂

  • Claudia
    April 19, 2021

    Das hast du toll geschrieben!
    Ich war leider noch nicht auf Sylt und ich habe Ozelot und Friesennerz noch nicht gelesen, deshalb, vielen Dank für die Tipps. Das Buch weckt nicht viel meine Neugier, aber Sylt zu besuchen steht schon lange auf meiner Reisewunschliste.
    Ja, warum werden die alten Pelze nicht aufgetragen? Nach 30 Jahre Anti-Pelz-Kampagne es ist schwer, die Köpfe der Leute zu ändern, außerdem sind sowieso keine alternativen Meinungen geduldet, was ich schade finde!
    Liebe Grüße,
    Claudia

    • happyface313
      April 19, 2021

      🙂 Danke, das Du das so klar aussprichst, liebe Claudia – die “alternativen Meinungen”.
      Ich habe das Gefühlt, dass es nur mehr Schwarz / Weiss und keine Grau-Abstufungen mehr gibt. Andere Meinungen werden immer weniger akzeptiert. Das ist nicht gut.
      Schöne Woche und liebe Grüße 🙂

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